Ein Pelikanaal bläht sein riesiges Maul auf

Filmaufnahmen eines Tauchroboters zeigen einen wenig bekannten Tiefseefisch.

Sein gewaltiges Maul gab dem Pelikanaal (Eurypharynx pelecanoides) seinen Namen, da es an den charakteristischen Hautsack am Unterschnabel von Pelikanen erinnert. Der aalartige Tiefseefisch besitzt stark nach hinten verlängerte Kiefer, die von einer äußerst dehnbaren Haut umspannt werden. Obwohl Pelikanaale offenbar in den gemäßigten und tropischen Weltmeeren weit verbreitet sind, bekommt man die, in Tiefen von 500 bis 7500 Metern lebenden, Fische nur selten zu Gesicht. Über ihre Lebensweise ist noch sehr wenig bekannt. Forscher, die momentan die Tiefsee im Gebiet des Papahānaumokuākea Marine National Monument, einem Meeresschutzgebiet um die Hawaii-Inseln, mit Hilfe von Tauchrobotern erkunden, hatten kürzlich jedoch eine ungewöhnliche Begegnung mit einem dieser bizarr anmutenden Meeresbewohner.

Der Kamera eines Tauchroboters gelang es in rund 1500 Metern Tiefe, ein Exemplar dieser Tiefseefische filmisch festzuhalten. Die Aufnahmen wurden in Echtzeit an die Wissenschaftler auf dem Forschungsschiff Nautilus übertragen und konnten auch per Livestream im Internet verfolgt werden. Diese Art der Meereserkundung liefert einzigartige Einblicke in die Unterwasserwelt (siehe auch unseren Artikel über die Tiefseeforschung auf dem Schiff Okeanos Explorer). Erst als sich die Kamera des Tauchroboters, der von Bord des Schiffes aus manövriert werden kann, dem tiefschwarzen Tier näherte, erkannten die Forscher, dass es sich um einen Fisch handelte. Zunächst schwebte dieser regungslos mit aufgeblähtem Hautsack in der Wassersäule. Dann dehnte er seinen Hautsack plötzlich in alle Richtungen aus und öffnete sein riesiges Maul. Die Forscher vermuten, dass es sich bei dem gefilmten Pelikanaal um ein Jungtier handelt. Möglicherweise hielt er den Tauchroboter für einen Fressfeind, den er mit seinem Verhalten abzuschrecken versuchte. Schließlich trat der Fisch die Flucht an und verschwand in den Weiten des Ozeans.

Einen Mitschnitt dieses Erlebnisses, inklusive der ersten verblüfften Reaktionen der Wissenschaftler, kann man sich in diesem knapp zweiminütigen Video ansehen.

Aus dem Schemenkabinett-Archiv

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