Das Rätsel des Tierregens

Darstellung eines Fischregens (1555)

Was muss geschehen, damit Fische vom Himmel fallen?

Am Morgen des 23. Oktobers 1947 wurden die Bewohner von Marksville im US-amerikanischen Bundesstaat Louisiana Zeugen eines rätselhaften Phänomens. Im Zentrum ihres Ortes regneten urplötzlich tausende Fische vom Himmel. Die Tiere prallten auf die Hausdächer und wurden auf den Straßen von Autos überrollt. Berichte über vom Himmel fallende Tiere lassen sich immer wieder finden. So erwähnte bereits der römische Gelehrte Plinius der Ältere im 1. Jahrhundert das Herabregnen von Fischen und Fröschen. Aktuelle Berichte von Tierregen stammen beispielsweise aus dem Juni 2009, als in der japanischen Präfektur Ishikawa unzählige Kaulquappen vom Himmel fielen oder aus dem Februar 2010, als in der nordaustralischen Ortschaft Lajamanu ein Fischregen niederging. Insgesamt scheint es sich bei Tierregen aber um ein sehr seltenes Phänomen zu handeln. In der Regel stürzt dabei eine große Zahl flugunfähiger Tiere vom Himmel. In den meisten Fällen handelt es sich um wasserlebende Tiere, insbesondere um Fische und Amphibien.

Es ist davon auszugehen, dass es sich bei vielen der Berichte lediglich um Fehlinterpretationen handelt, bei denen ein plötzliches Massenauftreten von Tieren irrtümlicherweise mit einem Tierregen erklärt wurde, etwa wenn eine große Zahl von Fröschen nach ihrer Metamorphose gleichzeitig die Gewässer verlässt. Andere Schilderungen sind in ihrem Ausmaß vermutlich stark übertrieben. Allerdings gibt es auch eine ganze Reihe gut belegter, glaubwürdiger Berichte über das Phänomen.

Eine Wasserhose über dem Meer

Als wahrscheinlichste Erklärung für die Entstehung von Tierregen gelten heute Wasserhosen. Wasserhosen sind Tornados, die über Gewässern entstehen. Wie bei jedem Tornado herrscht innerhalb des Rüssels einer Wasserhose ein enormer Unterdruck. Dadurch wäre es möglich, dass wasserlebende Tiere aufgesaugt werden. Der Sturm könnte die Tiere nun über große Strecken transportieren und erst dann freisetzen, wenn er sich schließlich an Land abschwächt. Bei einigen Tierregen wurde berichtet, dass die vom Himmel fallenden Tiere noch lebten. In diesen Fällen ist davon auszugehen, dass der Transport vermutlich nur von kurzer Dauer war. Es gibt aber auch Berichte über das Herabregnen von toten und teilweise sogar gefrorenen Tieren.

In den meisten Schilderungen von Tierregen fallen ausschließlich Angehörige einer einzigen Tierart bzw. Tiergruppe vom Himmel (beispielsweise nur Fische oder nur Frösche). Möglicherweise werden die Tiere im Sturm nach Gewicht getrennt und die schwereren Tiere fallen eher hinab als die leichteren. Vielleicht kommt es aber ohnehin auch nur dann zu einem Tierregen, wenn große, dicht gedrängte Gruppen von Tieren (wie etwa Fischschwärme), die in der Regel der gleichen Art angehören, in eine Wasserhose geraten.

In der Vergangenheit wurde das Phänomen des Tierregens häufig als böses Vorzeichen interpretiert. Ob es einen Bezug realer Tierregen zur englischen Redewendung „It is raining cats and dogs“ („Es regnet Katzen und Hunde“) für starken Regen gibt, ist allerdings unklar.

Aus dem Schemenkabinett-Archiv

2 Gedanken zu „Das Rätsel des Tierregens

  1. Das hab ich auch schon mal irgendwo gehört, konnt mich aber nicht mehr recht entsinnen. daher ja, danke :) Gut, dass es doch noch jemand aufgeschrieben hat!

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