Warum versammeln sich Krähen um ihre Toten?

Amerikanerkrähen (Corvus brachyrhynchos) versammeln sich um tote Artgenossen. (Bild: Jesse Weinstein; CC-BY-SA-3.0-Lizenz)

Eine Studie zeigt, wie Amerikanerkrähen neue Gefahren kennenlernen.

Verschiedene Arten von Rabenvögeln zeigen ein ungewöhnliches Verhalten, wenn sie einen toten Artgenossen erblicken. Sie versammeln sich in der Nähe des toten Körpers und beginnen laut zu rufen, ähnlich wie sie es auch tun, wenn sie auf einen potentiellen Fressfeind, wie eine Eule, treffen. Doch was ist der Grund für dieses Verhalten der Vögel? Um das zu untersuchen, führten die Forscher Kaeli N. Swift und John M. Marzluff ein Experiment an freilebenden Amerikanerkrähen (Corvus brachyrhynchos) durch. Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Animal Behaviour publiziert.

Für das Experiment wurden Amerikanerkrähen regelmäßig an einem Ort gefüttert. Dann tauchte nahe der Futterstelle ein ihnen unbekannter Mensch auf, welcher eine tote Krähe auf seinen ausgestreckten Händen hielt. Er präsentierte das tote Tier mehrere Minuten lang, gut sichtbar für die Krähen. Die Vögel zeigten großes Interesse an ihrem toten Artgenossen und an dem Menschen. Sie mieden das ausgelegte Futter, versammelten sich mit weiteren Krähen in den Bäumen, schimpften lautstark und griffen den Menschen sogar an.

Rufende Amerikanerkrähe (Bild: Walter Siegmund; CC-BY-SA-3.0-Lizenz)

In vorhergehenden Studien an Amerikanerkrähen konnte bereits gezeigt werden, dass diese Vögel individuelle Menschen wiedererkennen können. Als sich die gleiche Person in den folgenden Tagen ohne tote Krähe zeigte, verhielten sich die Vögel erneut aggressiv. Die Tiere hatten also die Person mit dem Tod ihres Artgenossen in Verbindung gebracht und als neue potentielle Gefahr kennengelernt. Noch bis zu sechs Wochen später versammelten sich die Krähen und schimpften, wenn sie den „gefährlichen“ Menschen erblickten. Ein anderer, für die Krähen neutraler, Mensch löste dieses Verhalten hingegen nicht aus.

Die schwarzen Vögel versammeln sich also anscheinend um die ihre toten Artgenossen, um Gefahren kennenzulernen. Eine einzige Situation zusammen mit einem bestimmten Menschen reicht dabei aus, damit die intelligenten Tiere diesen als neue Gefahr erkennen und in Erinnerung behalten.

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