Seltene Fledermaus aus Afrika neu beschrieben

Die „Dachsfledermaus“ Niumbaha superba (Bild: Verändert nach DeeAnn M. Reeder et al.; CC-BY-3.0-Lizenz)

Forscher sind den lange übersehenen Besonderheiten und der ungewöhnlichen Färbung einer afrikanischen Fledermausart auf der Spur.

Nachts sind alle Katzen grau, so sagt ein Sprichwort. Und tatsächlich erscheinen selbst leuchtende Farben in der Dämmerung in Grautönen. Farben spielen folglich keine große Rolle für dämmerungsaktive Tiere und so sind diese auch meist nicht bunt gefärbt. Und wenn es komplett dunkel ist, dann werden selbst Schwarz-Weiß-Kontraste bedeutungslos. Für die dämmerungs- und nachtaktiven Fledermäuse, die sich statt aufs Sehen vor allem auf ihre Echoortung verlassen, gilt dies natürlich besonders. Dementsprechend ist das Fell der meisten Fledermäuse einheitlich braun, grau oder schwarz gefärbt.

Ganz anders ist das allerdings bei einer auffällig schwarz-weiß gescheckten Fledermaus aus Afrika. Sie wurde erstmals im Jahr 1939 von Robert W. Hayman beschrieben. Hayman ordnete das Tier in die Fledermaus-Gattung Glauconycteris ein, die mit mehreren Arten in großen Teilen Afrikas vorkommt. Doch damit übersah er wichtige anatomische Merkmale seiner Neuentdeckung.

Schädel und Unterkiefer von Niumbaha superba (Bild: Verändert nach DeeAnn M. Reeder et al.; CC-BY-3.0-Lizenz)

Seit dieser Zeit gelang es nur sehr wenige weitere Exemplare dieser Fledermausart zu fangen. Im Jahr 2012 ging Wissenschaftlern im Südsudan allerdings erneut ein Exemplar der gescheckten Fledermaus ins Netz. Die Forscher untersuchten zum ersten Mal auch eingehend die Anatomie des seltenen Tieres. Zum Glück für die Wissenschaftler um DeeAnn M. Reeder konnten sie dazu auch auf Museumsexemplare zurückgreifen und ihren neuen Fund mit diesen vergleichen. Sie nahmen Maße von allen verfügbaren Individuen der Art (vor allem von Schädel und Zähnen, die wichtige Bestimmungsmerkmale für Fledermäuse tragen) und konnten so zeigen, dass nicht nur die Färbung, sondern auch der Körperbau der Tiere ist einzigartig ist. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift ZooKeys und stellten die gescheckte Fledermaus in eine neue Gattung mit dem Namen Niumbaha. Der Name entstammt der Sprache der Azande, die im Südsudan eine wichtige ethnische Gruppe darstellen, und bedeutet so viel wie „ungewöhnlich“ oder „selten“.

Angesichts der wenigen Nachweise überrascht es nicht, dass bislang kaum etwas über die sogenannte „Badger Bat“ („Dachsfledermaus“, Niumbaha superba) bekannt war. Mit ihren Studien konnten Reeder und ihre Kollegen das Wissen über diese Fledermausart jedoch stark mehren. Die wenigen Nachweise stammen sowohl aus dem westlichen als auch aus dem zentralen Afrika. Dass die Fledermäuse trotz dieser weiten Verbreitung so selten gefangen wurden, liegt möglicherweise daran, dass sie in großen Höhen unterwegs sind und somit nur selten in übliche Fledermaus-Fangnetze gelangen.

Gesichtszeichnung von Niumbaha superba (Bild: Verändert nach DeeAnn M. Reeder et al.; CC-BY-3.0-Lizenz)

Doch warum haben die Fledermäuse eine so außergewöhnliche Färbung? Dazu können auch die Wissenschaftler derzeit nur Vermutungen abgeben. Vielleicht spielt die Färbung der Tiere eine soziale Rolle, wenn diese zum Beispiel tagsüber zusammen in der Vegetation sitzen. Von anderen Tieren weiß man, dass dann meist die Männchen auffälliger als die Weibchen gefärbt sind. Jedoch fand man bei den Fledermäusen keinen geschlechtsspezifischen Unterschied im Fellmuster. Möglich wäre auch, dass es sich um eine Warnfärbung handelt, die Feinde abschrecken soll. Schwarz-weiße Streifenmuster kennt man beispielsweise auch von Stinktieren, die Fressfeinde so auf ihre chemischen Abwehrstoffe hinweisen. Den Wissenschaftlern ist allerdings kein ungewöhnlich starker Geruch an der Fledermaus aufgefallen.

Es gibt nur sehr wenige andere Fledermausarten, die ein gemustertes Fell haben (wenn auch nicht so spektakulär wie bei der „Dachsfledermaus“). Helle Streifen oder Flecken kommen besonders häufig im Fell solcher Fledermausarten vor, die Ruheplätze in der Vegetation aufsuchen. Für tagaktive Fressfeinde sind Tiere mit einem solchen Fell in mitten von Pflanzen und Mustern aus Licht und Schatten, nur schwer auszumachen. Die Forscher vermuten deshalb, dass auch die schwarz-weiß gescheckte Fledermaus solche Verstecke aufsuchen könnte. In jedem Fall birgt diese faszinierende Fledermaus noch viele Geheimnisse, sowohl bezüglich ihrer Lebensweise als auch ihrer ungewöhnlichen Fellzeichnung.

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