Schöner Leichnam

Die Londoner Künstlerin Mia-Jane Harris zeigt in ihren Werken die Ästhetik von Geweben und Organen. (Bild: Mia-Jane Harris)

Die Fotoserie „Beautiful Corpse“ von Mia-Jane Harris zeigt die Schönheit konservierter Körper.

Wir sterben, zerfallen und verschwinden. Das sind die Stadien des Todes, wie sie die Londoner Künstlerin Mia-Jane Harris sieht. Harris versucht diesen Vorgang in ihren Werken zu unterbrechen und ihn im Zustand nach dem Sterben festzuhalten. Für ihre Serie „Beautiful Corpse“ („Schöner Leichnam“) verewigte sie konservierte menschliche Präparate aus Museumssammlungen in Form von Fotografien.

Organische Landschaften entfalten sich in den Fotografien. (Bild: Mia-Jane Harris)

Ihre Werke sind von einer faszinierenden Schönheit. Sie zeigen Details von Organen und Geweben; dabei wählt die Künstlerin Ausschnitte, die durch ihre Farben und Formen bestechen und erschafft so fast außerweltlich erscheinende Landschaften. Wie organische Galaxien, Schwämme mit Adern oder Pilzkolonien umgeben von Hautfalten wirken die Motive. Künstliche Elemente aus Fäden und Metall zeugen von Modifikationen des organischen Materials.

Die Mischung aus künstlichen und organischen Elementen erzeugt ungewöhnliche Eindrücke. (Bild: Mia-Jane Harris)

Harris reißt die konservierten Körper bewusst aus ihrem wissenschaftlichen Kontext heraus. So versucht man vergeblich zu erkennen, welche Gewebe man gerade betrachtet. Doch es spielt keine Rolle, denn in den Werken geht es allein um die Ästhetik; ein Ansatz der auch an die Fotografien von Daniel und Geo Fuchs erinnert. Die inhärente Schönheit von Geweben und Organen, ihren Strukturen und Farben, so meint die Künstlerin, gerät oft aus dem Blick, wenn man ihre Funktionen oder ihre Krankheiten studiert.

Die Fotos bringen die Präparate in eine zweidimensionale Form. Trotzdem wirken sie erstaunlich plastisch. Fast möchte man sich vorstellen, wie sich die sanften Falten und prallen glatten Gewebe anfühlen mögen. Es sind teilweise äußerst feine Strukturen, die ohne eine Haltbarmachung, sei es durch Präparationsflüssigkeit oder indem sie auf Fotos gebannt werden, schnell zerfallen würden.

Losgelöst von ihrem wissenschaftlichen Kontext stehen allein die Formen und Farben der Präparate im Vordergrund. (Bild: Mia-Jane Harris)

Mia-Jane Harris (die auch bei Instagram zu finden ist) verarbeitet in ihren Werken auch die Angst vor der eigenen Sterblichkeit und dem damit verbundenen Verschwinden. Sie hofft, als Schöpferin dieser Werke weiterzuleben, so wie sie auch den Leichnamen zu einer gewissen Unsterblichkeit verhilft.

Die Fotografien aus der Serie „Beautiful Corpse“ sind derzeit im Londoner Barts Pathology Museum ausgestellt. Die Werke hängen hier zwischen den medizinischen Präparaten des Museums, was die gelungene Verbindung von Wissenschaft und Kunst unterstreicht.

Aus dem Schemenkabinett-Archiv

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