Femme fatale – zwischen Begierde und Bedrohung

Ein Weibchen der Gottesanbeterinnen-Art Pseudomantis albofimbriata. (Bild: graibeard; CC-BY-SA-2.0-Lizenz)

Wie liebestolle Gottesanbeterinnen-Männchen auf die „Lügen“ hungriger Weibchen hereinfallen.

Bei vielen Arten von Gottesanbeterinnen kommt es vor, dass Weibchen ihre Partner nach der Kopulation, oder manchmal sogar schon währenddessen, verspeisen. Die Weibchen können durch diese zusätzliche Nahrung die Überlebenschancen ihrer Nachkommen steigern. Auch bei der australischen Gottesanbeterinnen-Art Pseudomantis albofimbriata kommt es regelmäßig zum Gattenmord. Während gut genährte Weibchen dieser Art meist auf diese makabere Extramahlzeit verzichten, können Weibchen in schlechtem Ernährungszustand der Versuchung nicht widerstehen.

Statt der erhofften Paarung erwartete dieses Männchen der Tod. (Bild: Mantis Study Group; CC-BY-NC-3.0-Lizenz)

Für paarungswillige Männchen ist es somit äußerst wichtig, den Ernährungszustand eines Weibchens zu erkennen. Sie laufen sonst nicht nur Gefahr, gefressen zu werden; auch die Zahl der Eier, die ein Männchen potentiell befruchten kann, ist umso höher, je besser der Ernährungszustand eines Weibchens ist. Die chemischen Lockstoffe optimal genährter Weibchen wirken dabei besonders anziehend auf Männchen. Weibliche Tiere in einem weniger guten Ernährungszustand riechen hingegen kaum verführerisch. Die chemischen Signale der Weibchen geben in der Regel eine glaubwürdige Auskunft über ihren Ernährungszustand. Doch der Femme-fatale-Hypothese zufolge sind solche ehrlichen Signale anfällig für Missbrauch. Wie eine Femme fatale, also eine erotische Frau, die Männer verführt, sie manipuliert und anschließend ins Verderben stürzt, könnten einige Gottesanbeterinnen-Weibchen die verführerischen Duftstoffe besonders gut genährter Artgenossinnen imitieren.

Auf der Suche nach solchen Femmes fatales, präsentierte die Wissenschaftlerin Katherine L. Barry Männchen von Pseudomantis albofimbriata den Geruch unterschiedlich gut genährter Weibchen. Bei ihren Untersuchungen, die in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht wurden, zeigten sich die Männchen insgesamt stärker zu den Weibchen hingezogen, die besser genährt waren. Doch es gab eine entscheidende Ausnahme: Weibchen, die in einem extrem schlechten Ernährungszustand waren, wirkten seltsamerweise außerordentlich anziehend auf die Männchen.

Mit Duftstoffen locken Weibchen (oben) paarungswillige Männchen (unten) an. (Bild: Mantis Study Group; CC-BY-NC-3.0-Lizenz)

Diese Femmes fatales unter den Gottesanbeterinnen „lügen“ die Männchen mit ihren Duftstoffen also an. Und das Schicksal der Männchen ist in der Tat fatal. Vergangene Untersuchungen zeigten, dass bei 90 % solcher Zusammentreffen das Männchen von dem ausgehungerten Weibchen verspeist wurde. Auch zu einer Paarung kam es nur bei der Hälfte der Zusammenkünfte. Und selbst wenn das Männchen es schafft, sich mit einer Femme fatale zu paaren, halten solch unterernährte Weibchen meist nur sehr wenige Eier zur Befruchtung bereit.

Die Männchen von Pseudomantis albofimbriata gehen also ein sehr hohes Risiko ein, wenn sie sich den Reizen der hungrigen Femmes fatales hingeben. Werden sie Opfer solcher Weibchen, haben sie doppelt Pech; sie haben sowohl eine geringe Aussicht auf Vaterschaft als auch ein hohes Risiko in den Fangarmen ihrer Angebeteten umzukommen.

Ein Gedanke zu „Femme fatale – zwischen Begierde und Bedrohung

  1. Ich habe gerade meinen Ernährungszustand überprüft und genieße jetzt mal einen langen, romantischen Gang zum Kühlschrank. Der imitiert auch schon Duftstoffe. :)

    Aber was ich vorher noch sagen wollte: Interessant, trotz meines Geblödels.

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