Warum Tauben den Tod ankündigen und Totenhemden vor Wiedergängern schützen

Mumifizierte Katze, die einst als Bauopfer diente.

Die Sonderausstellung „Tutenfru! Über Aberglaube und Tod“ im Museum für Sepulkralkultur Kassel befasst sich mit „abergläubischen“ Vorstellungen rund um das Ableben.

Das Gurren einer Taube erklingt am Eingang zur aktuellen Sonderausstellung im Kasseler Museum für Sepulkralkultur. Im schwachen Lichtschein sitzt das Präparat einer Ringeltaube. Ihr Ruf wurde in Mecklenburg als „Tutenfru!“, also Totenfrau, gedeutet. Totenfrauen richteten die Verstorbenen her und wuschen sie. Wenn die Tauben von den Dächern riefen, dass die Totenfrau komme, konnte dies also nichts Gutes bedeuten. Auch das Verhalten anderer Tiere deutete man als Todesvorzeichen. So wurden Maulwürfe wegen ihrer unterirdischen Lebensweise mit Verwesung und Tod in Verbindung gebracht. Maulwurfshügel erinnerten die Menschen an frische Grabhügel und sie galten als Omen für bevorstehende Todesfälle. Auch Hasen am Bett eines Kranken oder schwatzende Elstern in der Nähe des Hauses sollten das baldige Ableben ankündigen. Die Sonderausstellung „Tutenfru! Über Aberglaube und Tod“ präsentiert verschiedene „abergläubische“ Vorstellungen und Praktiken, die mit Tod und Sterben in Verbindung stehen und zum Teil das Denken und Handeln vieler Menschen bis in die Gegenwart bestimmen.

Böse Omen – Diese Tiere wurden mit dem Tod in Verbindung gebracht.

Um den Tod fassbarer zu machen, wurde ihm oft eine personifizierte Gestalt gegeben. Bilder und Objekte in der Ausstellung zeigen die Vielfalt traditioneller Todesdarstellungen, die bis heute unter anderem in Filmen aufgegriffen werden. Aufrecht stehende Skelette, oft mit bestimmten Attributen, wie einer Sense in den knöchernen Händen, oder mit halb verwesten Hautfetzen bedeckt (als sogenannter Transi), waren einst auf Friedhöfen und in Kirchen allgegenwärtig und erinnerten die Menschen daran, dass ihr irdisches Leben nur von kurzer Dauer ist. Weit verbreitet war die Furcht, dass Verstorbene zurückkehren und die Lebenden heimsuchen oder gar ins Reich der Toten „nachziehen“ könnten. Eine Vielzahl von Ritualen befasste sich damit, wie Verstorbene behandelt werden müssen, damit diese sicher ins Jenseits gelangen und dort auch verbleiben.

Der Erlkönig, Walter Hege, 1920/1930; Der Kunstguss zeigt den personifizierten Tod als Skelett mit Sense.

In der Ausstellung ist neben verschiedenen Grabmalen auch eine historische Totenbahre zu sehen. Auf eine solche sollte man sich keinesfalls setzen, denn Gegenstände, die bei einer Bestattung im Einsatz waren, sollen todbringende magische Kräfte besitzen. Ein helles Totenhemd aus dem 19. Jahrhundert hängt von der Decke und wirkt, als würde es mitten im abgedunkelten Ausstellungsraum schweben. Es ist sehr schlicht und aus Leinen gefertigt. Und es besitzt keine Taschen; man glaubte nämlich, dass dies Tote davon abhielt, den Lebenden als Wiedergänger nachzustellen.

Totenhemd und Totenbahre in der Ausstellung

Wer noch nie unter einem Sarg hindurchgekrochen ist, hat in der Ausstellung Gelegenheit dazu. Angeblich soll man dadurch die Fähigkeit der Todesvorsehung erhalten. Um den Tod zu verhindern oder herbeizuführen, fanden diverse magische Hilfsmittel und Praktiken Verwendung. In Vitrinen liegen Nadeln, Sargnägel, Hufeisen, Öle und allerlei Medizingefäße. Auch eine mumifizierte Katze und das Skelett eines Huhnes, welche in den Wänden alter Häuser gefunden wurden, sind zu sehen. Sie wurden dort einst als sogenannte Bauopfer eingemauert, um dem Haus und dessen Bewohnern Schutz zu bieten. Menschliche Schädel wurden hingegen oft mit Schadenszaubern in Verbindung gebracht. Vergraben in einem Haus oder Stall sollten sie Krankheit und Tod bringen.

Verschiedene magische Objekte, die zur Abwehr böser Mächte dienen sollten.

Die Sonderausstellung, die noch bis zum 17. März 2019 im, insgesamt äußerst sehenswerten, Museum für Sepulkralkultur gezeigt wird, hat viele weitere interessante Stücke rund um Volksglauben und Tod zu bieten. Die meisten der vorgestellten Bräuche sind heute weitestgehend in Vergessenheit geraten, da sie durch christlich-religiöse Vorstellungen und insbesondere durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse verdrängt wurden. Die spannend und informativ gestaltete Sonderausstellung lässt ihre Geschichten noch einmal aufleben.

Aus dem Schemenkabinett-Archiv

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