Vampirfledermäuse mit Appetit auf Menschenblut

Der Kammzahnvampir verschmäht kein Menschenblut. (Bild: Gerry Carter; CC-BY-SA-4.0-Lizenz).

Forscher haben entdeckt, dass Kammzahnvampire ihren Speiseplan erweitert haben.

Sie besitzen messerscharfe Zähne, mit denen sie die Haut ihrer Opfer aufschneiden, um ihr Blut zu trinken. Ihr spezieller Speichel wirkt gerinnungshemmend und ihre Verdauung ist darauf ausgelegt, mit hohen Mengen an Wasser und Harnstoff umzugehen. Vampirfledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die sich ausschließlich vom Blut anderer Tiere ernähren. Drei Arten von Vampirfledermäusen gibt es, die alle auf dem amerikanischen Doppelkontinent leben: Den Gemeinen Vampir (Desmodus rotundus), den Weißflügelvampir (Diaemus youngi) und den Kammzahnvampir (Diphylla ecaudata). Während die beiden erstgenannten Arten relativ flexibel sind, was die Wahl ihrer Beutetiere angeht, wurde der Kammzahnvampir bislang als Spezialist angesehen, der es ausschließlich auf das Blut größerer Wildvögel abgesehen hat.

Forscher um Fernanda Ito haben nun untersucht, wovon sich die nachtaktiven Kammzahnvampire eigentlich ernähren, wenn es kaum geeignete Wildvögel zu beißen gibt. In einem Gebiet im Nordosten Brasiliens, welches maßgeblich durch Landwirtschaft und menschliche Besiedlung beeinflusst ist, untersuchten die Wissenschaftler eine Kolonie dieser Vampirfledermäuse. Dazu sammelten sie Kot-Proben der Tiere und untersuchten diese anschließend mit molekularbiologischen Methoden im Labor. Die DNA im Kot kann nämlich genauen Aufschluss über die Mahlzeiten der Fledermäuse geben. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlichen die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Acta Chiropterologica.

Große Wildvögel, wie Weißbrauenguane, werden im Catimbau-Nationalpark knapp – der Kammzahnvampir muss sich umstellen.

Die Forscher fanden Überraschendes in den Kotproben der Kammzahnvampire. Die DNA im Kot stammte nicht etwa aus dem Blut von Wildvögeln, wie Picazurotauben (Patagioenas picazuro) oder den zu den Hokkohühnern gehörenden Weißbrauenguanen (Penelope jacucaca), sondern von Haushühnern und Menschen. Die Untersuchungsregion liegt im Catimbau-Nationalpark. Als dieses Areal im Jahr 2002 unter Schutz gestellt wurde, blieben mehrere hundert Familien, die zuvor in dem Gebiet ansässig waren, dort wohnen. Die meisten betreiben Viehwirtschaft und besitzen, neben Ziegen und Rindern, Haushühner, die sie in der Nähe ihrer einfachen Häuser halten. Viele große Wildvögel wurden aufgrund von jahrelanger starker Bejagung in dem Gebiet ausgerottet. Die Fledermäuse haben ihren Speiseplan in Ermangelung anderer Vögel also offensichtlich auf Haushühner umgestellt.

Im Catimbau-Nationalpark leben bluttrinkende Kammzahnvampire. (Bild: Gleidson Lins do Nascimento; CC-BY-SA-4.0-Lizenz).

Doch auch Menschenblut scheint den Vampiren zu bekommen. Vermutlich stehlen sie sich nachts in die Häuser der Farmer. Gleich in mehreren Kotproben fanden die Forscher menschliche DNA; von einem einmaligem Versehen bei der Beutewahl kann also nicht ausgegangen werden. Eine solche Nahrungsumstellung der vermuteten Vogelblut-Spezialisten ist überraschend, denn die Zusammensetzung von Säugetier- und Vogelblut unterscheidet sich erheblich. So enthält das Blut von Vögeln unter anderem mehr Wasser und Fett, und Säugetierblut besitzt einen höheren Proteinanteil. Vorherige Untersuchungen konnten zeigen, dass Kammzahnvampire Fett im Blut besser als die anderen Vampirfledermaus-Arten verdauen können. In früheren Experimenten mit Kammzahnvampiren wurden Vögel als Beute eindeutig gegenüber Säugetieren bevorzugt und die Fledermäuse fasteten sogar lieber, wenn nur Säugetierblut angeboten wurde. Nicht so die Kammzahnvampire im brasilianischen Catimbau-Nationalpark. Sie haben sich an die veränderten Bedingungen angepasst und schaffen es offensichtlich mit Hühner- und Menschenblut zu überleben.

Aus dem Schemenkabinett-Archiv

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