Sie leben in Deiner Haut

Haarbalgmilbe (Demodex folliculorum) (Bild: Letícia Satsiê Fátima de Freitas Yamashita et al.; CC-BY-NC-4.0-Lizenz)

Im Laufe seines Lebens wird fast jeder Mensch zum Wohnsitz der Haarbalgmilben.

Dass winzige Tiere in der eigenen Haut herumkrabbeln, ist eine Albtraumvorstellung – doch für die meisten Menschen ist es die Realität. Denn ihre Haut ist die Heimat zahlloser winziger Spinnentiere; Haarbalgmilben der Gattung Demodex.

Zwei verschiedene Arten von Haarbalgmilben leben in der menschlichen Haut. Die eine Art, Demodex folliculorum, bewohnt die Haarbälge (Haarfollikel), also die röhrenförmigen Einstülpungen der Haut, welche die Haarwurzeln umschließen. Meist leben Gruppen von drei oder mehr Individuen in einem Haarbalg. Die andere Art, Demodex brevis, besiedelt die Talgdrüsen, wobei in der Regel nur ein Tier, gelegentlich auch zwei, in einer Drüse leben. Beide Arten sind so stark an ihren Wirt, den Menschen, angepasst, dass sie ausschließlich in menschlicher Haut überleben können.

Haarbalgmilben sind außerordentlich kleine Tiere, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Die etwas größeren Weibchen erreichen bei beiden Arten nur Körperlängen von 0,2-0,3 mm. Als Anpassung an ihren beengten Lebensraum ist der Körper der Milben länglich geformt und ihre acht Beine sind sehr kurz. Haarbalgmilben sind farblos und erscheinen fast durchsichtig.

Die Hauptnahrung der Haarbalgmilben ist menschlicher Hauttalg (Sebum). Dieser wird von den Talgdrüsen produziert, um die Haut vor Austrocknung zu bewahren. Die Milben bewohnen verschiedenste Körperregionen des Menschen, vor allem aber das Gesicht, insbesondere den Mund- und Nasenbereich sowie die Augenlider. Aber auch an der Brust, den Knien oder den Genitalien kommen die krabbelnden Untermieter vor.

Haarbalgmilbe (Demodex folliculorum)

Haarbalgmilben werden per Hautkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Neugeborene sind noch frei von den Milben, doch oftmals werden die Tiere schon bei den ersten Kontakten zwischen Mutter und Kind übertragen. Im Laufe des Lebens besiedeln Haarbalgmilben dann die meisten Menschen, so dass nahezu alle über Siebzigjährigen die Tiere in ihrer Haut beherbergen. Und selbst nach dem Tod ihres Wirtes können Haarbalgmilben noch für einige Tage auf der Leiche überleben.

Zwar beherbergen grundsätzlich Menschen aller Hautfarben und Herkunft Haarbalgmilben, doch treten die Tiere in verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich häufig auf. So waren bei Untersuchungen im südpazifischen Tokelau nur 7,6 % der Menschen von Haarbalgmilben befallen, während im westlichen New York 55 % betroffen waren.

In der Regel schaden Haarbalgmilben ihrem Wirt nicht. Es handelt sich bei ihnen um sogenannte Kommensalen („Mitesser“). Unter besonderen Umständen, etwa bei schlechtem Allgemeinzustand, können sie sich allerdings sehr stark vermehren. Dabei können sie zu Hauterkrankungen, den sogenannten Demodikosen, führen, welche in ihren Symptomen häufig Akne oder Rosazea ähneln. Zur Behandlung von Demodikosen werden unter anderem spezielle Salben mit dem milbenabtötenden Mittel (Akarizid) Permethrin eingesetzt.

Viele Fragen zur Lebensweise und Ökologie der Haarbalgmilben sind bisher aber noch ungeklärt. Das liegt unter anderem daran, dass eine dauerhafte Kultivierung der Tiere im Labor bislang nicht gelungen ist.

Aus dem Schemenkabinett-Archiv

6 Gedanken zu „Sie leben in Deiner Haut

  1. Fliegenmaden in der Haut sind wirklich sehr unschön. Dagegen sind die Haarbalgmilben natürlich harmlos – aber dafür befallen sie auch fast jeden.

  2. Alles ekelig!! Bin schon seit Wochen zugange,Mache Peelings,dann Masken, sie porentief reinigen sollen,dann Gesichtswasser.

    Ich glaube, zumindest mein Hautbild ist klarer gewoden, gehe jetzt aber doch zum Arzt, weil ich ja nicht weiß,wo die lieben Tierchen überall
    vorhanden sind.

  3. Na klar, immer fein in die Kosmetik, Hautarzt, zur Massage und zum Friseur gehen. Da gibt’s die Dinger gratis.

  4. Thea
    Hautärzte haben versagt! Habe die Milben selbst rausgefunden. Bin richtig verzweifelt gewesen und lasse mich jetzt vom Hausarzt behandeln. Hoffe auf baldige Hilfe.

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