Invasion der Feen

Die winzigen Kreaturen der Künstlerin Tessa Farmer treiben derzeit im Londoner „Viktor Wynd Museum of Curiosities“ ihr Unwesen.

Es ist eine eigenartige und verstörende Welt, welche die 1978 geborene britische Künstlerin Tessa Farmer aus präparierten Tieren und Modellen kreiert – eine Welt voller winziger Feen. Diese Feen sind jedoch keine lieblichen Wesen, sondern skelettartige Kreaturen mit Insektenflügeln. Sie beherrschen ihre Umwelt, spielen mit ihr und zerstören sie.

Im Rahmen der Sonderausstellung „In Fairy Land“ hat das Londoner „Viktor Wynd Museum of Curiosities, Fine Art & Natural History“ nun seine Türen für Farmers Feen geöffnet. Dabei werden diese aber nicht separat ausgestellt, sondern verstecken sich in der Ausstellung des Museums, die Tierpräparate, Schädel und diverse Kuriositäten umfasst. Die Besucher müssen sich selbst auf die Suche nach ihnen machen. Und die Feen kommen nicht allein; sie bringen Trupps von Ameisen mit, reiten auf Käfern, Libellen oder Vogelskeletten. Dabei wird manches Ausstellungsstück in Mitleidenschaft gezogen, denn überall sieht man, wie sich die kleinen Feen an den Objekten des Museums zu schaffen machen.

Direkt am Eingang der Ausstellung entlässt eines der geflügelten Skelette aus einer Glasphiole einige Kleidermotten (Tineola bisselliella), also Textilschädlinge, auf den Anzug des 2010 verstorbenen Sebastian Horsley, einem exzentrischen Schriftsteller und Künstler.

In einer anderen Szene sieht man, wie eine der Skelett-Feen Ameisen befehligt, die sich über eine präparierte Krabbe aus dem Museum hermachen. Die Fee steht dabei auf einem kleinen Pilz und scheint sich mit dem abgetrennten Hinterleib und Kopf einer Ameise tarnen zu wollen.

Einige Feen haben winziges Geschirr und Gläser mitgebracht und veranstalten auf den Präparaten des Museums ein Picknick, bei dem es nicht gerade gesittet zugeht. Sie streiten sich um Insektenlarven und verschütten den Inhalt ihrer Gläser über die Ausstellungsstücke.

An der Wand hängt ein Schmetterlingskasten mit eingeschlagenen Scheiben. Er ist voller Feen, die dort allerhand Schabernack treiben. Sie stecken sich die abgerissenen Fühler der präparierten Schmetterlinge an den Kopf und schneiden deren Flügel mit einer kleinen Schere in Stücke.

Farmer lässt in präziser Feinarbeit bizarre und manchmal durchaus humoristische Szenen entstehen. Dabei stellt sich die Frage nach dem Grund für das Treiben der Feen. Verkörpern sie möglicherweise lediglich die Natur, die stets auch eine zerstörerische Wirkung hat?

Bis zum 10. Februar 2016 haben sich die kleinen Feen noch im Viktor Wynd Museum eingenistet. Wie man sie danach wieder los werden will, bleibt allerdings offen.

Aus dem Schemenkabinett-Archiv

2 Gedanken zu „Invasion der Feen

  1. Habe mir die Austellung vor ein paar Tagen angeschaut und ich war wirklich begeistert! In Kombination mit dem Viktor Wynd Museum einfach grandios. Wer auf morbide/makabere dunkle Kunst steht, der sollte es sich definitiv nicht entgehen lassen.
    Vielen Dank, ohne euren Beitrag hätte ich das vermutlich nicht gesehen.

  2. Es freut uns, dass dir die Ausstellung gefallen hat. Die Interaktion von Tessa Farmers Feen mit den verschiedenen Kuriositäten des Museum ist wirklich etwas Besonderes. Wir waren kürzlich auch noch einmal dort und haben noch weitere kleine Skelett-Feen entdecken können, die sich bei unserem ersten Besuch offensichtlich zu gut versteckt hatten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.