Eulenrufe bedeuten Gefahr

Waldkauz (Strix aluco) (Bild: Andreas Trepte; CC-BY-SA-2.5-Lizenz)

Zu häufiges Rufen kann dem Waldkauz zum Verhängnis werden.

Es heißt, wenn eine Eule ruft, dann stirbt ein Mensch. Auch wenn dies bloß auf einem Aberglauben beruht, müssen sich viele kleinere Säugetiere definitiv in Acht nehmen, wenn die melancholischen Laute der nachtaktiven Vögel ertönen. Ihr ausgezeichnetes Gehör, ihre scharfen Krallen, ihr kräftiger Schnabel und ihr fast lautloser Angriffsflug machen Eulen zu äußerst geschickten Jägern der Nacht.

Man bekommt Eulen zwar nur selten zu Gesicht, doch ist ihr nächtliches Rufen gut zu hören. Diese Laute dienen den Eulen vor allem dazu, ihr Revier abzustecken und Partner anzulocken. Das Rufen kann für eine Eule aber auch gefährlich werden, wenn potentielle Feinde sie hören. So sollte der Waldkauz (Strix aluco) vorsichtig sein, wenn der deutlich größere Uhu (Bubo bubo) in der Nähe ist. Uhus fangen nämlich neben Nagetieren, Hasen und Igeln auch gern mal ihre kleineren Verwandten. Der Waldkauz hat also ein Problem, denn er sollte seine Anwesenheit besser nicht durch sein markantes Rufen verraten, muss aber trotzdem sein Revier kennzeichnen.

Uhu (Bubo bubo) mit erbeutetem Baummarder (Bild: Martin Mecnarowski; CC-BY-SA-3.0-Lizenz)

Wissenschaftler um Rui Lourenço untersuchten in einer Studie, die kürzlich im Journal of Avian Biology erschienen ist, ob Waldkäuze die Häufigkeit ihrer Rufe verändern, wenn Uhus in der Nähe sind. In einem spanischen Nationalpark schlugen sich die Forscher mehrere Nächte um die Ohren und lauschten dem Rufen der Eulen. Sie notierten wie oft Waldkäuze riefen, die entweder innerhalb oder außerhalb eines Uhu-Reviers lebten. Ob ein Gebiet zu einem Uhu-Revier gehörte, konnten die Forscher feststellen, indem sie registrierten, ob die charakteristischen dumpfen Rufe des Uhus zu hören waren.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Waldkäuze deutlich seltener riefen, wenn Uhus zu hören waren. Die Käuze verringern wahrscheinlich so das Risiko von ihrem Feind gehört zu werden. Dennoch stellten sie ihr Rufen nicht komplett ein. Die Wissenschaftler vermuten, dass es für die Waldkäuze derart wichtig ist mit ihren Rufen ihr Revier abzugrenzen und Partner anzulocken, dass sie hier einen Kompromiss eingehen müssen; auch wenn das bedeutet, dass sie dem Uhu leichter zum Opfer fallen können. Da Uhus früher am Abend als die Waldkäuze mit dem Rufen beginnen, haben die Käuze vermutlich genug Zeit, das Risiko abzuschätzen und ihre eigene Ruf-Aktivität entsprechend anzupassen.

Ruf des Waldkauzes (Aufnahme: Jugrü; CC-BY-SA-3.0-Lizenz)

Aus dem Schemenkabinett-Archiv

9 Gedanken zu „Eulenrufe bedeuten Gefahr

  1. Wie gemein die Natur manchmal ist! Fressen Tiger eigentlich auch Luchse, wenn sie sich zufällig im Wald begegnen? Ist ja auch nix anderes.

    Habe wieder was gelernt – echt spannend. Ich wusste auch gar nicht, warum Eulen/Käuzchen/Uhus überhaupt rufen. War der Abend nicht umsonst… :)

  2. Wenn Sibirische Tiger auf Luchse treffen, töten und fressen sie ihre kleineren Verwandten gelegentlich. Viele Beutegreifer schalten aber auch ganz gezielt kleinere Konkurrenten aus. Möglicherweise ist das auch beim Uhu der Fall, da der Waldkauz zum Teil die gleiche Beute jagt und dadurch mit ihm konkurriert.

  3. Hallo ich wieß nicht ob es eine Keuche oder Uhu ist die Geschreie sind fast gleich sag man nicht wenn die Keuche oder Uhu ruft das es Glück ist …

    Ich bin Erstaunt das Ich grat das Gegenteil Gelesen habe es würde Unglück bringen es würde ein Mensch Sterben wer weis jetzt guten Rat danke Lg Carmen

  4. Eulen werden in der Tat sowohl als Glücks- als auch als Unglücksbringer angesehen. Es kommt auf den Kontext und die Region an, aus der der Volksglaube stammt.
    Die Rufe des Uhus und des Waldkauzes sind aber sehr verschieden. Der männliche Uhu macht während der Balz einen tiefen, dumpfen Ruf, der sich wie „buho“ anhört.

  5. habe abends immer einen uhu gesehen, jetzt ist
    er weg, wechselt er das revier

  6. Schon möglich, dass der Uhu das Revier gewechselt hat. Wahrscheinlicher ist aber, dass er einen Partner gefunden hat und nun zum Brutgeschäft übergeht. Während dieser Zeit rufen die Männchen nicht mehr so häufig und man entdeckt sie nicht so leicht. Und die Weibchen sind dann mit dem Brüten beschäftigt.

  7. Wir haben/hatten ein Waldohreulenpaar im April/Mai bei uns. Sie haben jeden Abend/Nacht gerufen. Nun ist es seit einer geraumen Zeit ruhig und keiner von beiden ruft.(seit Ende Mai Anfang Juni) Wir hatten das Gefühl, sie brüten bei unserem Nachbarn in der Tanne. An was könnte es liegen?

  8. Vermutlich habt ihr das Paar regelmäßig rufen gehört, als es mit der Brut und Jungenaufzucht beschäftigt war. Im Mai verlassen die jungen Waldohreulen in der Regel das Nest und werden rund zwei Wochen später flügge. Das passt gut zu dem Zeitpunkt, als bei euch die Rufe verstummten. Wahrscheinlich hat sich die Familie mit den Jungen im Umkreis verstreut und ihr könnt sie deswegen nicht mehr hören.

  9. Hoffe Sie kommen wieder. Sie waren letztes Jahr auch bei uns. Schade das wir die Jungen nicht gesehen haben.
    Vielen Dank und macht weiter so!

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