Nachwuchs bei den Totenvögeln

Bild: Pierre Dalous; CC-BY-SA-3.0-Lizenz

Webcams ermöglichen intime Einblicke in die Nester zweier Waldkauzpaare.

Wenn ein Waldkauz (Strix aluco) seinen Ruf ausstößt, soll er der Legende nach den Tod eines Menschen ankündigen. So wurde diese mittelgroße Eulenart im Mittelalter auch als Totenvogel bezeichnet, vor dem es sich zu hüten galt. Tatsächlich rufen die nachtaktiven Vögel jedoch, um ihr Revier abzugrenzen und Partner anzulocken. Das langgezogene „Huh-Huhuhu-Huuuh“ des Männchens ertönt vor allem während der Balz. Das Weibchen ruft „kuwitt“, was im Volksglauben als „komm mit“ gedeutet wurde. Der Waldkauz ist in Deutschland zum Vogel des Jahres 2017 gewählt worden, womit auf die Situation der Eulen im Allgemeinen aufmerksam gemacht werden soll, welche oftmals durch Lebensraummangel bedroht sind.

Wenn alles glückt, können wir die Aufzucht von Waldkauz-Jungen live miterleben. (Bild: Artur Mikołajewski; CC-BY-SA-3.0-Lizenz)

Mittels Webcams von NABU und LBV kann zurzeit das Liebesspiel, und – wenn alles gut klappt – die Eiablage und die Jungenaufzucht von gleich zwei Waldkauz-Paaren live beobachtet werden. Derzeit hat eines der Paare bereits drei Eier im Nest. Ein Blog informiert über besondere Ereignisse und Neuigkeiten bei den Brutpaaren. Eine der Webcams ist in einem Nistkasten im bayrischen Kempten eingerichtet und zwei andere filmen vor und in einem Nistkasten in Berlin. Dank an den Nestern installierter Mikrofone kann man sogar ab und zu die charakteristischen Rufe der Waldkäuze hören. Nachts werden die Aufnahmen der Kameras mit, für die Eulen nicht sichtbarem, Infrarotlicht erhellt. So sind die Tiere ungestört und wir können hoffentlich bald live miterleben, wie sie Beutetiere heranbringen und ihre Jungen füttern. Mit einem Alter von etwa dreißig Tagen verlassen die jungen Waldkäuze das Nest als sogenannte Ästlinge. Zunächst noch flugunfähig bleiben sie einige Tage in der Nähe des Nestes, bevor sie sich schließlich in die Lüfte erheben, um sich ihr eigenes Revier zu suchen und fortan, wie die Elterntiere, mit ihrem schaurigen Ruf die Nacht zu durchdringen.

Aus dem Schemenkabinett-Archiv

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