Die Totenblume

Gabentisch mit Totenblumen (Bild: Kerena14; CC-BY-SA-3.0-Lizenz)

Die leuchtend orangefarbenen Totenblumen weisen den Verstorbenen am mexikanischen Tag der Toten den Weg.

In Mexiko ist die Farbe der Toten orange. Alljährlich werden dort zum „Tag der Toten“ (Día de los Muertos, 01./02. November) Städte, Dörfer und Friedhöfe in ein lebhaftes orange-gelbes Blumenmeer getaucht. Während dieser Tage sollen die Toten ihre Gräber verlassen, um zusammen mit den Lebenden zu feiern. Dabei kommt den Blumen, vor allem der leuchtend orangefarbenen „Totenblume“ (Flor de Muertos, Tagetes erecta), eine besondere Bedeutung zu. Mit Totenblumen werden für den Tag der Toten die Gräber der Verstorbenen üppig verziert und Girlanden oder sakrale Ornamente gebastelt. Der starke Duft der Blüten soll den Toten helfen, in die Welt der Lebenden überzutreten.
Im Haus der Angehörigen werden aufwändig dekorierte Gabentische mit Blumen, Kerzen und persönlichen Geschenken für die Toten bereitgestellt. Für die Verstorbenen soll die leuchtende Farbe der Totenblumen besonders gut zu erkennen sein. Abgezupfte Blütenblätter, die vom Hauseingang bis zum Gabentisch auf dem Boden verstreut werden, sollen sicherstellen, dass die Toten die für sie bestimmten Gaben auch finden. Ein Teppich aus Blütenblättern soll auch dabei helfen, am Ende des Festes alle toten Gäste wieder in ihre Gräber zurückzuführen. So kommen die Toten nicht vom Weg ab und können die Lebenden nicht heimsuchen.

Ein Teppich aus Blütenblättern soll den Toten den Weg weisen. (Bild: Alemmmtz; CC-BY-SA-3.0-Lizenz)

In Mexiko erreichen die Totenblumen den Höhepunkt ihrer Blütenpracht im Oktober und November, passend zum Tag der Toten. Die Blumen wurden bereits von den Azteken für rituelle Zwecke eingesetzt, lange vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus. Die spanischen Kolonialherren in Mexiko versuchten die traditionellen Bräuche zu unterdrücken und verteufelten die Totenblume. Dennoch waren sie von der Farbenpracht wohl so begeistert, dass sie die Pflanze mit nach Europa brachten. Von dort aus trat sie, unter anderem mit Sortenbezeichnungen wie „French“ und „African“ (losgelöst von ihrem Ruf als Totenblume), ihren Siegeszug in die Gärten der Welt an.
Die ursprünglich nur in Mexiko und Mittelamerika beheimatete Pflanzengattung Tagetes gehört in die Familie der Korbblütler (Asteraceae), zu denen beispielsweise auch Gänseblümchen, Sonnenblume und Löwenzahn gehören. Heute werden Tagetes-Arten in vielen Varianten (zum Teil auch zweifarbig) gezüchtet. Im deutschen Sprachraum wird die Totenblume Tagetes erecta im Handel meist als „Aufrechte Studentenblume“ angeboten.

Aus dem Schemenkabinett-Archiv

2 Gedanken zu „Die Totenblume

  1. Wusste überhaupt nicht das es diese orangerote Totenblume gibt.Interessant ist auch zu wissen das selbige Blume bei uns als Studentenblume bekannt ist. Die Website ist sehr übersichtlich u. ordentlich aufgebaut. Daniela Winkler

  2. Vielen Dank für das Kompliment, Daniela. – Man findet die Totenblume übrigens gar nicht so selten. Wir haben sie schon mehrfach auf Friedhöfen entdeckt. Oft wächst sie aber einfach beim Nachbarn im Balkonkasten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.