Katzen auf der Body Farm

Bild: Verändert nach Sukanto Debnath; CC-BY-2.0-Lizenz

Wissenschaftler untersuchten die Fraßmuster verwilderter Hauskatzen an menschlichen Leichen.

Menschenfleisch gehört normalerweise nicht zum Nahrungsspektrum von Hauskatzen (Felis catus). Verstirbt der Besitzer einer Wohnungskatze unbemerkt in seinem Zuhause, kann es allerdings vorkommen, dass das Tier in der Folge Teile des Verstorbenen frisst. Dass ein solches Verhalten nur selten dokumentiert werden konnte, liegt unter anderem daran, dass Katzen in der Regel keine Aasfresser sind; sie bevorzugen es zu jagen und frisches Fleisch zu fressen. Zudem stellen sie sich ungern auf Nahrung ein, die sie nicht kennen.

Zwei Fälle, in denen verwilderte Hauskatzen an im Freien liegenden menschlichen Leichen fraßen, wurden von Wissenschaftlern um Sara Garcia in der Fachzeitschrift Journal of Forensic Sciences beschrieben. Die entsprechenden Beobachtungen fanden in der Forensic Investigation Research Station der Colorado Mesa University statt. Bei dieser Einrichtung im US-amerikanischen Bundesstaat Colorado handelt es sich um eine sogenannte Body Farm, ein Areal, das der wissenschaftlichen Untersuchung von Verwesungsprozessen an menschlichen Leichen dient. Da die Umzäunung dieser Body Farm für kleinere und flugfähige Tiere kein Hindernis darstellt, können dort auch Fraßmuster, die solche Aasfresser an den toten Körpern hinterlassen, untersucht werden.

In den beschriebenen Fällen dokumentierten Infrarot-Kameras die Anwesenheit von verwilderten Hauskatzen auf dem Gelände der Body Farm. Beide Male waren zuvor mehrere unbekleidete Leichen, alle in Rückenlage und in einigem Abstand voneinander, unter freiem Himmel auf dem Areal platziert worden und warteten auf ihre Verwesung. Täglich inspizierten die Forscher die toten Körper und erfassten deren Zustand.

Die Body Farm ist Bestandteil der Colorado Mesa University. (Bild: Jeffrey Beall; CC-BY-4.0-Lizenz)

Der erste dokumentierte Fall betraf die Leiche einer 79 Jahre alten Frau, die 13 Tage nach ihrem Tod auf der Body Farm ausgelegt worden war. Nach fünf Tagen tauchten erste Veränderungen an ihrem Körper auf, die auf die Anwesenheit eines ungewöhnlichen Aasfressers hindeuteten. Die Infrarot-Kamera zeigte eine verwilderte Hauskatze mit getigertem Fell, die Gewebestücke von der Toten riss. Erst am linken Arm, bald darauf im Brustbereich. Die Katze konzentrierte sich auf die Haut und das darunterliegende Fettgewebe. Über einen Zeitraum von 35 Tagen kam sie fast jede Nacht und riss jedes Mal weitere Gewebeschichten ab, wodurch der Oberarmknochen langsam sichtbar wurde. An den Wundrändern zog das Tier die Haut nach hinten, sodass es besser an das Fettgewebe kam.

Beim zweiten in der Studie beschriebenen Fall fanden sich an der Leiche eines 70 Jahre alten Mannes, die elf Tage nach seinem Tod ausgelegt worden war, Fraßspuren an der seitlichen linken Schulter, dem linken Arm sowie an der Seite des Unterleibs. In diesem Fall war der Verursacher eine schwarze verwilderte Hauskatze. Über einen Zeitraum von 16 Tagen kam das Tier wiederholt und zum Teil mehrfach in der Nacht, und riss Stücke des Toten ab. Die Katze ließ sich dann einen Monat lang nicht mehr blicken, kam danach aber nochmal für zwei Nächte zurück, um erneut von der Leiche zu fressen. Neben den offensichtlichen Fraßspuren fanden die Wissenschaftler seltsame streifenförmige Verletzungen an der Haut. Die Kameraaufnahmen klärten auf, was es mit diesen auf sich hatte. Während die Katze vom Arm der Leiche fraß, stellte sie ihre Pfoten auf diesem ab und grub ihre Krallen tief in die Haut. Sie nutzte ihre Krallen offensichtlich dazu, um sich zu verankern, während sie das Fleisch schichtweise mit den Zähnen abriss.

Obwohl sich in beiden Fällen noch weitere Körper auf dem Gebiet der Body Farm befanden, fraßen die Katzen jeweils nur an einer einzigen Leiche. Die Wissenschaftler bringen dies mit der Abneigung von Katzen sich auf neue Nahrungsquellen einzulassen in Zusammenhang. Beide Katzen hörten auf an den Leichen zu fressen, als die Verwesung einen fortgeschrittenen Zustand erreichte. Ab einem bestimmten Punkt schienen die toten Körper den Katzen offenbar nicht mehr zu schmecken.

Neben anderen Tieren, wie Hunden, Waschbären, Nagetieren, Fliegen und diversen weiteren Insekten, und sogar Schnecken reihen sich also auch Hauskatzen in die Liste der Tiere ein, die dazu beitragen können, einen ungeschützt herumliegenden menschlichen Leichnam zu zersetzen.

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