Im Griff der Würgeschlange

In tödlicher Umschlingung: Abgottschlange mit Beutetier. (Bild: Jens Raschendorf; CC-BY-SA-2.5-Lizenz)

Ein Experiment zeigt, dass die Opfer von Würgeschlangen nicht ersticken, sondern an Herz-Kreislauf-Versagen sterben.

Für eine Ratte, die einmal in den Griff einer Abgottschlange (Boa constrictor) geraten ist, gibt es kein Entkommen. Zunächst wird sie minutenlang von dem muskulösen Reptil umschlungen bis dieses sie danach im Ganzen verschlingt. Das Töten von Beutetieren durch Umschlingen ist von verschiedenen Schlangengruppen, insbesondere von Boas und Pythons, bekannt, die deshalb auch als Würgeschlangen bezeichnet werden. Mit welchem Mechanismus Würgeschlangen ihre Beute aber ganz genau töten, war lange unklar. Es wurde vermutet, dass die Schlangen die Atmung ihrer Opfer unterbinden und diese so ersticken.

Wissenschaftler um Scott M. Boback haben den Tötungsmechanismus von Abgottschlangen in einem Experiment nun genau untersucht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift Journal of Experimental Biology. Die zu den Boas gehörenden Abgottschlangen leben in Südamerika und im südlichen Nordamerika. Sie ernähren sich von verschiedensten Tieren, die sie größenmäßig überwältigen können, wobei sie insbesondere Nagetieren nachstellen. Bei ihrem Experiment boten die Forscher hungrigen Abgottschlangen Ratten an, welche bereitwillig umschlungen wurden. Die Ratten angebotenen waren zuvor betäubt und mit verschiedenen Sensoren bestückt worden, mit denen die Forscher das Elektrokardiogramm (EKG) aufzeichnen und den zentralen Venendruck (ZVD) sowie den peripheren Blutdruck messen konnten. Außerdem wurde der von den Schlangen auf den Rattenkörper ausgeübte Druck gemessen. Sobald die Schlangen im Versuch ihren Griff lockerten, um ihr Beutetier zu herunterzuschlucken, wurde es ihnen weggenommen und sie erhielten eine Ratte ohne Sensoren als Ersatz.

Mit dem Druck ihres muskulösen Körpers sorgen Abgottschlangen bei ihrer Beute für Herz-Kreislauf-Versagen. (Bild: Guilherme Jófili; CC-BY-2.0-Lizenz)

Die Forscher konnten in ihrem Experiment den Tötungsvorgang genau nachvollziehen. Während der Umschlingung, die durchschnittlich sechseinhalb Minuten andauerte, nahm der von den Schlangen erzeugte Druck anfangs sehr stark zu. Anschließend lockerten die Reptilien nach und nach ihren Griff. Mit der starken Druckerhöhung zu Beginn der Umschlingung erhöhte sich auch der Zentrale Venendruck im Rattenkörper rapide, während der periphere Blutdruck und die Herzfrequenz deutlich abfielen. Die Forscher nehmen an, dass dies zu einer schlagartigen Verringerung der Blutversorgung lebenswichtiger Organe führt; insbesondere der Leber, des Herzens und des Gehirns, und dadurch ein Tod durch Herz-Kreislauf-Versagen bewirkt wird. Somit konnte das Experiment widerlegen, dass Würgeschlangen ihre Beutetiere durch Ersticken töten.

Durch das plötzliche Ausbleiben einer ausreichenden Sauerstoffversorgung des Gehirns, verlieren die Ratten vermutlich innerhalb weniger Sekunden das Bewusstsein. Dies könnte eine wichtige Anpassung der Würgeschlangen sein, da ein bewusstloses Beutetier sich nicht mehr wehren und die Schlange somit nicht im Todeskampf  verletzen kann.

Aus dem Schemenkabinett-Archiv

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